Als unterlegener Halbfinalist des Badischen Einzelpokals 2007 hatte Hajo Vatter (SK Freiburg-Wiehre/KSF) etwas Glück und er durfte – aufgrund des Verzichts der beiden badischen Finalisten – dennoch zur Deutschen Schach-Pokalmeisterschaft 2008 nach Magdeburg fahren. Dort trugen die 32 qualifizierten Teilnehmer, darunter 9 FM und 1 IM, an drei Tagen ein fünfrundiges Turnier im k.o.-System aus. Hajo konnte sich in allen fünf Runden durchsetzen und wurde damit Deutscher Pokalmeister (Dähne-Pokalsieger) 2008! Mit diesem Erfolg entführte Hajo nicht nur den Pokal bereits zum zweiten Mal (nach 1993) nach Karlsruhe; er wird auch zur nächsten Deutschen Meisterschaft eingeladen.
In den ersten vier Runden endeten Hajos Partien jeweils remis; die Entscheidung fiel immer wieder im Stichkampf (zwei Blitzpartien mit 5 Minuten Bedenkzeit). Wie man sich denken kann, liegt ein solcher Modus dem Karlsruher Urgestein!

Das Endspiel: Oliver Müller (links) – Hajo Vatter
Doch im Finale musste Hajo seine Strategie ändern: Sein Gegner war der sehbehinderte FM Oliver Müller (Deutscher Blindenschachbund/Werder Bremen) und im Falle eines unentschiedenen Partieausgangs wäre hier tatsächlich um den Pokal gelost worden: „Soll an einem Stichkampf ein Spieler des Deutschen Blinden-Schachbundes teilnehmen, tritt an die Stelle der Blitzpartien ein Losentscheid.“ (DSB Turnierordnung 2007) – Das konnte Hajo aber durch eine konzentrierte Leistung abwenden und er besiegte mit den weißen Steinen nach 60 Zügen den Vertreter des Blindenschachbundes, der in der vergangenen Saison auch für den SV Werder Bremen II in der 2. Bundesliga Nord spielte.
Die befremdliche Regel mit dem Losentscheid ist wohl in erster Linie der neuen Integration der Pokalmeisterschaft in den strikten Zeitplan der Endrunde der Deutschen Amateur-Schachmeisterschaft (RAMADA-Cup) geschuldet. Noch 2005 sah die Turnierordnung eine Stichkampf-Entscheidung durch eine 30-Minuten-Schnellpartie vor, wenn ein blinder Spieler an der Partie beteiligt ist. Der Einzelpokal wird nun jedoch zeitgleich und an gleicher Stelle wie die fünfrundige Amateurmeisterschaft gespielt, so dass bei jetzt zwei Partien pro Tag keine Zeit mehr für eine zusätzliche Schnellpartie bleibt. Verständlicherweise sind mit einen blinden Spieler andererseits keine Blitzpartien machbar, denn er führt die Züge ja auf seinem separaten Steckbrett (wo er die Stellung ertasten kann) aus und sagt sie dann jeweils dem sehenden Spieler an und umgekehrt. Dennoch wäre ein Losentscheid um den Pokalsieg für die beiden Spieler natürlich höchst unbefriedigend und auch für den Deutschen Schachbund einigermaßen blamabel gewesen. Man denke nur an den Einsatz einer Roulettekugel beim 5:5-Endstand des Kandidanten-Viertelfinals zwischen Robert Hübner und Wassili Smyslow im Jahr 1983 zurück...
Für den alten Pokalfuchs Hajo war es, wie schon erwähnt, diesmal bereits der zweite Deutsche Pokalsieg. Und die Geschichte wiederholte sich dabei auf überraschende Weise: Bereits 1992 war Hajo im Halbfinale unterlegen; im Jahr darauf gewann er den Pokal. Selbiges gelang ihm jetzt nach einer unglücklichen Halbfinal-Niederliga 2007 mit dem zweiten Pokalsieg 2008.
Einzelergebnisse des Siegers (mit DZW, in Klammern Resultat im Blitzentscheid):
Rd.1: FM Hans-Joachim Vatter, 2328 – Matthias Tonndorf, 2148 remis (2:1)
Rd.2: Herbert Großmann, 2068 – FM Hans-Joachim Vatter, 2328 remis (1:2)
Rd.3: FM Hans-Joachim Vatter, 2328 – IM Sven Telljohann, 2409 remis (1½:½)
Rd.4: Thomas Frotscher, 2080 – FM Hans-Joachim Vatter, 2328 remis (0:2)
Finale: FM Hans-Joachim Vatter, 2328 – FM Oliver Müller, 2219 1:0