Paula erreicht 10. Platz bei Europameisterschaft
(Bericht von Frank Wiesner)
Als Deutsche Vizemeisterin U10w wurde Paula vom DSB zur Europameisterschaft nominiert. Die fand vom 30. August bis zum 10. September 2009 in Fermo (Italien) – etwa 40 km südlich von Ancona an der Adria – statt.
Paula wollte unbedingt allein zur EM fahren. Mit 10 Jahren war sie natürlich noch sehr jung dafür, andererseits kennen sich die Teilnehmer alle und Italien war ein vergleichsweise zivilisierter Austragungsort. Außerdem entlastete das die Urlaubsplanung und den Kostenrahmen beträchtlich, so dass wir das Experiment wagten.
Die Anreise mit Flug von Frankfurt nach Rom mit anschließender 3-stündiger Busfahrt auf die andere Seite der Apenninhalbinsel verlief problemlos. Die Unterbringung der Delegationen war dezentral, die Deutschen waren in einem kleinen Hotel in dem Ort Pedaso untergebracht, der Strand war ca. 5 Gehminuten entfernt. Dummerweise bestand dort Badeverbot (wahrscheinlich wegen der Wasserqualität – Italien hat sehr strenge Grenzwerte), aber nachdem Jens Kotainy als Vortester den Selbstversuch ohne sichtbare Schäden überlebt hatte, trauten sich auch die anderen.
Gespielt wurde in der ca. 30 Busminuten entfernten Stadthalle von Fermo, Rundenbeginn war jeweils 15:00 Uhr (keine Doppelrunden), es ging über 9 Runden mit einem Ruhetag nach der 5. Runde. Nach Setzliste war Paula mit ELO 1904 auf Platz 2 gesetzt, wobei nur 10 von 66 Teilnehmern überhaupt eine ELO hatten. Die Zahlen sind durch die geringe Zahl von Auswertungen noch sehr unzuverlässig, es gibt sehr starke Spielerinnen ohne Zahl und wer seine ELO zu zeitig bekommt muss sich unter Umständen mühevoll von vielleicht 1450 hocharbeiten, die ELO hinkt dann der tatsächlichen Spielstärke stark hinterher.

Fotos: Bernd Rosen
In der ersten Runde gab es eine Gegnerin aus Aserbaidschan. Bei der WM vor zwei Jahren hatte Paula gegen Aserbaidschan eine Auftaktniederlage kassiert. Diesmal lief es wieder nicht besser, nach langen harten Kampf und beiderseitiger Zeitnot fand Paula an der entscheidenden Stelle im Endspiel nicht die Rettung ins Remis und verlor. Tröstlich war, dass es sich um die spätere Vizemeisterin handelte und unsere Fußballnationalmannschaft einige Tage später bei der WM-Quali Vergeltung übte. In Runde 2 brannte Paula mit Weiß eine Serie kleiner Kombinationen und Zwischenzüge in einer schönen Angriffspartie ab und gewann in großen Stil. In Runde 3 gab es ein ausgekämpftes Remis gegen die spätere Viertplatzierte. Runde 4 wurde sicher gewonnen, dann folgten drei Remis. Durch Siege in den beiden letzten Runden kam Paula noch auf 6 Punkte, wofür es einen guten 10. Platz und damit nach der Vizemeisterschaft von Filiz Osmanodja in der U14w das zweitbeste Ergebnis der deutschen Delegation gab.

Paulas Glücksbringer – wegen der psychodelischen Farben „LSD-Schaf“ genannt, schaffte es durch die Berichte auf www.schachbund.de und www.chessbase.de zu einiger Berühmtheit.

Siegerehrung U10w
Der Rückflug verlief etwas abenteuerlicher, das Flugzeug war kaputt und alle mussten wieder aussteigen und wurden in den nächsten Flieger mit reingequetscht. So kamen sie 3 Stunden später als geplant in Frankfurt an. Und außerdem war es in Deutschland wieder lausig kalt…