Bezirksschachtag im Schatten der Oberliga

KSF-Ersatzmannschaft verteidigt Bezirkstitel in Notbesetzung.

Bezirksmannschaftsblitzmeisterschaft · 10.10.2010 · Zeutern · Von Stefan Haas

Wir wissen nicht, welcher unglückliche Geist über den gastgebenden Verein und den Bezirksturnierleiter obwaltete, als diese sich entschlossen, die Bezirksmannschafts-blitzmeisterschaft auf die erste Runde der Oberliga- und 2. Bundesliga zu legen.

Damit wurden nämlich die beiden potentiell stärksten Mannschaften (Untergrombach und KSF I – das heißt auf unserer Seite die regelmäßigen Teilnehmer Christoph Pfrommer, Clemens Werner, Thomas Schlager und Andreas Vinke) von vorneherein vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Mit Mühe konnten wir eine Notbesetzung aufstellen, rechneten uns aber keine allzu großen Chancen aus. Als Ziel wurde die Qualifikation zur Badischen Meisterschaft ausgegeben, die mit dem zweiten oder ggf. auch dem dritten Platz zu erreichen war.

Vor Ort gestalteten sich die Dinge dann doch etwas anders: Ettlingen und Slavija, die von der ungeschickten Terminplanung hätten profitieren können, fehlten ganz bzw. traten in eher mittelmäßiger Besetzung an. Waldbronn hatte eine gute Mannschaft aufgeboten, doch wir hofften, trotzdem mithalten zu können… (das ist schon starkes Understatement, hatten wir doch immerhin den frisch gebackenen Bezirksmeister sowie den Badischen Vizemeister im Einzelblitz dabei).

Zum Turnierverlauf: Anders als im Vorjahr wurde im Schweizer System gespielt; erst nach dem Turnier erfolgte die Abrechnung der drei DWZ-Gruppen (Gruppe 1 für Teams mit einem DWZ-Schnitt ab 1700, Gruppe 2 bis 1700 und Gruppe 3 bis 1400).

Das Turnier war straff organisiert, man verzichtete auf unnötige Kommerzpausen und von kleineren Anfangsproblemen abgesehen klappten die Computerauslosung und die Ergebnismeldung sehr gut. Noch besser klappte es allerdings auf den Brettern. Wir sammelten einen Punkt nach dem anderen und mussten nur gegen Slavija sowie Forst ein eigentlich unnötiges 2-2 hinnehmen.

In der Endtabelle hatten wir (außer bei den Mannschaftspunkten) auch einen großen Vorsprung an Brettpunkten vorweisen. Während die übrigen Teammitglieder noch „menschliche“ Ergebnisse erzielten, war Veaceslav fast gar nicht zu bremsen. Dafür wird er das nächste Mal wohl an Brett 1 antreten müssen.

Der diesjährige Hüter des Spitzenbrettes erlaubte sich in der letzten Runde, als wir den Sieg schon unter Dach und Fach hatten, eine kleine Eröffnungs-Extravaganz anlässlich des 20. Todestages des so genannten „Propheten von Muggensturm“, Emil-Joseph Diemer (*15.5.1908 †10.10.1990):

 

Stefan Haas – Ismet Causevic

1.d4 d5 2.e4 dxe4 3.Sc3 e6 4.f3 exf3 5.Sxf3 Sf6 6.Ld3 Ld6 7.0–0 0–0 8.De1 b6 9.Lg5 Le7? Ich hoffte hier wenigstens auf 9...Lb7 10.Dh4 h6 (10...Sbd7 11.Lxh7+) 11.Lxh6 gxh6 12.Dxh6 Le7 13.Sg5 Dxd4+ 14.Kh1 und die Drohung 15.Lh7+ entscheidet; notwendig war wohl 9...La6. 10.Lxf6 Lxf6 11.De4 g6 12.Dxa8 Lxd4+ 13.Kh1 Lxc3 14.bxc3 Sd7 15.Dxa7 und Schwarz gab im 29. Zug auf (1–0).

 

Unsere Reserve-Mannschaft trat, da Lukas sich erst am Vorabend gemeldet hatte, zu fünft an. Sie erzielten recht ordentliche Ergebnisse und belegten den 2. Platz in der B‑Gruppe; nur Manfred war am Ende mit sich unzufrieden, wollte die letzten drei Runden nicht mehr spielen und verkündete seinen „Abschied vom Blitzschach“ – zu Unrecht, denn er hatte zweimal gegen schwächere Teams pausiert und vor Allem gegen die deutlich besseren Teams gespielt; somit war sein Ergebnis keine Schande.

Diesmal erhielten die Gruppensieger je vier Flaschen Wein (ein weiterer Beweis für den Niedergang des Analphabetismus – meine Berichte werden also doch gelesen…).

Es war letztendlich ein schöner und erfolgreicher Tag. Bei bestem Wetter konnten wir zwischen den Partien den Blick aus der großen Glasfront der Mehrzweckhalle in Richtung der Rheinebene genießen. Patrick und Reinhard einerseits, Veaceslav und Lukas andererseits (sie trainierten 5-Minuten-Bullet – das heißt: man stellt auf der Uhr 5 Minuten ein, zieht aber ohne nachzudenken) konnten sich gar nicht mehr vom Schachbrett trennen, während der Team-Captain versonnen die Beute bewachte. Erst als die Helfer bereits alle übrigen Tische abgebaut hatten, mussten sie einsehen, dass der Tag doch irgendwann zu Ende geht. Bald nach unserer Ankunft in Karlsruhe trafen die ersten guten Nachrichten aus Südbaden von unserer Oberligamannschaft ein. So werden wir diesen Bezirksschachtag – trotz der ungünstigen Vorzeichen – in guter Erinnerung behalten.

 

Pl.

Endstand

Gr.

M.-P.

B.-P.

 

Br.

KSF II

Pkt./Sp.

  1.

KSF II

A

29-  4

35,5

 

1

Stefan Haas

  9,0 / 11

  2.

SF Neureut I

A

24-  9

28,0

 

2

Patrick Grofig

  9,0 / 11

  3.

SC Waldbronn

A

22-11

28,5

 

3

Veaceslav Cofman

10,0 / 11

  4.

SV Pfinztal

A

22-11

28,0

 

4

Reinhard Arlt

  7,5 / 11

  5.

SF Forst I

A

20-13

28,0

 

 

 

 

  6.

Slavija K’he

A

20-13

25,0

 

Br.

KSF III

Pkt./Sp.

  7.

SF Zeutern I

A

19-14

26,5

 

1

Lukas Pfatteicher

  6,0 / 10

  8.

SC uBu

B

16-17

25,0

 

2

Boris Wald

  3,5 / 10

  9.

SF Wiesental

A

16-17

24,0

 

3

Peter Klemens

  5,5 /   9

10.

SSV Bruchsal

C

16-17

23,5

 

4

Manfred Pochmann

  1,0 /   6

11.

KSF III

B

16-17

22,0

 

R

Horst Würfel

  6,0 /   9

12.

SC Karlsdorf

B

16-17

20,5

 

 

 

 

13.

SF Forst II

B

16-17

20,0

 

 

 

 

14.

SK Sulzfeld I

B

15-18

24,5

 

 

 

 

15.

SF Zeutern II

B

15-18

22,5

162,0

 

 

 

16.

SF Forst III

B

15-18

22,5

131,0

 

 

 

17.

SF Eggenstein II

C

15-18

21,5

 

 

 

 

18.

SF Eggenstein I

A

15-18

21,0

209,0

 

 

 

19.

Baden-Mix

B

15-18

21,0

162,0

 

 

 

20.

SK Sulzfeld II

C

12-21

21,0

126,0

 

 

 

21.

SF Wiesental II

C

  7-26

16,5

 

 

 

 

22.

SF Neureut III

C

  7-26

10,0

 

 

 

 

23.

SF Neureut II

C

  4-29

13,5