Knappes Duell bei der Schulschachmeisterschaft in der WK III

Am 15.01.2026 fanden die diesjährigen Schulschachmeisterschaften in der WK III und WK I statt. Gespielt wurde wie so oft am Gymnasium Neureut unter der Leitung von Timo Lindl. Gemeldet
waren zehn Mannschaften aus neun verschiedenen Schulen, wobei das Bismarck-Gymnasium mit zwei Teams aufgelaufen ist. Mit einem Blick auf die Setzliste kann man zwei Mannschaften als klare Favoriten erkennen. Zum einen das Goethe-Gymnasium mit Christopher Sun, Kalle Maier, Advay Shankar, Maximilian Wiesner und Tharun Muthiyalu Jothir, die mit einem beachtlichen DWZ-Schnitt von 1457 auf Platz zwei gesetzt waren. Der Startrang Nummer eins ging an die erste Mannschaft des Bismarck-Gymnasiums mit Janis Belenki, Maximilian Müller, Levon Ganske und Alexander Volz, deren DWZ-Schnitt 1474 betrug und damit nur 17 DWZ-Punkte vor dem Goethe lag. Die Zahlen versprachen einen engen Kampf, welcher durch die Bedenkzeit von 20 Minuten nur noch spannender wurde. Abgesehen von den zwei Spitzenkandidaten gab es weitere starke Mannschaften, wie das Eichendorff-Gymnasium Ettlingen mit einem DWZ-Schnitt von 1084 oder
dem Fichte-Gymnasium mit dem starken Vereinsspieler Jakob Ensslen, welcher jedoch der einzige Vereinsspieler aus seiner Mannschaft war und daher eine kleinere Chance aufs Treppchen hatte.
Nach einer kurzen Ansage ging es dann auch schon wie geplant um 9:00 Uhr los mit der ersten Partie. Wie zu erwarten, gewann sowohl das Bismarck- als auch das Goethe-Gymnasium ohne
größere Probleme vier zu null gegen ihre nominell deutlich schlechteren Gegner. Ein guter Start von beiden Mannschaften und eine gute Gelegenheit in das Turnier langsam reinzukommen, da noch sechs weitere Runden auf dem Plan standen. Kurz nachdem die letzte Partie der ersten Runde beendet wurde, startete auch schon direkt die nächste Runde. An Tisch zwei spielte das Goethe-Gymnasium gegen das Eichendorff-Gymnasium. Ein wichtiger Kampf gegen einen ernstzunehmenden Gegner, doch die erfahren Spieler des Goethes ließen nichts anbrennen und gewannen 3,5 zu 0,5 gegen die Drittgesetzten. Ein halber Punkt musste das Brett vier Tharun Muthiyalu Jothir abgeben, da er im Endspiel sich von der Schnelligkeit des Gegners beeinflussen lassen hatte und im Eifer des Gefechts eine Figur einstellte. Die davor klar bessere Stellung kippte zu Gunsten des Gegners, welcher jedoch nicht sicher genug fühlte und ein Remis anbot, was verständlicherweise direkt angenommen wurde. In derselben Runde spielte das Bismarck-Gymnasium gegen das Fichte-Gymnasium und an Brett eins trafen die Vereinskollegen Jakob Ensslen und Janis Belenki aufeinander. Auch wenn das Bismarck schon 3 zu 0 führte versuchte Jakob doch noch Brettpunkte für sein Team zu ergattern. Die Stellung war jedoch am Kippen, weshalb sich Jakob, der einen Bauern weniger hatte, dafür entschied seinen Läufer für zwei Bauern zu opfern, wodurch seine Dame in das Gebiet von Janis‘ Königs eindrang und Jakob Kompensation für die Minusfigur bekam. Die Dame konnte nun weitere Bauern gewinnen und den König auf die andere Seite des Brettes drängen, doch objektiv reichte das vermutlich nicht für Ausgleich. Obwohl Janis vermutlich besser stand, einigten sie sich auf ein risikofreies Remis, da es am Ende gut sein kann, dass jeder noch so kleine Brettpunkt zählt.

Zu Beginn der dritten Runde waren sowohl Mannschaftspunkte als auch Brettpunkte der beiden Spitzenkandidaten gleich. Doch das sollte sich nicht lange halten. Das Goethe legte eine Glanzleistung hin und gewann 4 zu 0 gegen das Kant-Gymnasium. Bismarck wiederum patzte am letzten Brett und verlor die Partie. Trotz dessen ließ der Rest der Mannschaft nichts anbrennen und gewann somit 3 zu 1 gegen das Eichendorff-Gymnasium. In Runde vier war es dann so weit. Die zwei klaren Favoriten des Turniers stießen aufeinander. Das Goethe-Gymnasium mit einem kleinen Vorteil, da sie einen Brettpunkt mehr hatten. Dieser Punkt würde dem Goethe jedoch nur ein Vorteil bringen, wenn das Match 2 zu 2 ausgeht, da dann das Bismarck das Goethe nicht mehr einholen kann, falls das Goethe-Gymnasium die restlichen Partien alle gewinnt, ohne einen einzigen Brettpunkt abzugeben. Doch darauf zu hoffen wäre bei drei verbliebenen Runden und dem Schnellschachformat zu spekulativ und daher gab jeder einzelne Spieler sein Bestes. Denn jeder einzelne war sich bewusst: die Mannschaft, die den Mannschaftskampf in dieser Runde gewinnt, hat so gut wie den Titel in der Tasche und ist sicher weiter für die Nordbadische Schulschachmeisterschaft. Die Spieler wünschten sich ein gutes Spiel, schüttelten sich die Hände und starteten die Uhren. Nachdem ein paar Minuten vergangen waren und alle Spiele die Eröffnung abgeschlossen hatten sah es nicht sonderlich gut aus für das Goethe-Gymnasium. Janis konnte gut Druck gegen Christopher aufbauen, Kalle hatte Material gegen Maximilian Müller weniger und Advay stand auch ungünstig. Maximilian Wiesner war der Hoffnungsträger der Mannschaft, da dieser der einzige war, dem man von außen Gewinnchancen zuschreiben konnte. Doch Bismarck frühzeitig als Sieger abzuschreiben, wäre zu voreilig. Man darf nicht vergessen das nur mit zwanzig Minuten gespielt wird und keine Computer gegeneinander spielen, die keine Fehler machen. Nach ein paar weiteren Minuten standen die ersten Ergebnisse fest. Wie nach der Stellung zu erwarten, verlor Kalle gegen Maximilian Müller und Maximilian Wiesner gewann gegen Alexander Volz. Zwischenstand 1 zu 1. Jedoch spitzt sich die Lage am Topbrett bei Christopher zu und Janis ist schon mit seinen Schwerfiguren auf die achte Reihe vorgedrungen und drohte das Spiel zu beenden. Dadurch sind Christophers Figuren verpflichtet bei seinem König zu bleiben und dadurch gehindert jeglichen Fortschritt zu erzielen. Nur sein Turm ist nicht beschäftigt Janis von Matt setzen abzuhalten und befindet sich auf der zweiten Reihe hinter Janis Bauernkette. Janis kann nun langsam seine Bauern nach vorne ziehen und somit Christopher einfach überrollen, ohne dass Schwarz eine Chance hat sich ernsthaft zu verteidigen. Christopher hatte aber noch eine letzte Idee. Er opferte sein Turm auf f2, wodurch sich danach die Dame mit Schach befreien kann und versuchen kann ein Dauerschach zu geben. Objektiv sollte das jedoch nicht funktionieren, da nach Annahme des Opfers Weiß nur ein Schach mit der Dame hat und danach der weiße König sich in Sicherheit begeben kann. Als Außenstehender stempelte man diese Partie ab und sah ein, dass das Goethe an Brett eins einen ganzen Punkt an das Bismarck in den nächsten paar Zügen abgeben muss. Doch dem war nicht so! Zwei Minuten nachdem man dachte Janis setzt Christopher gleich matt, sieht man die beiden nur noch in Zeitnot hektisch die Uhr drücken. Irgendetwas muss auf dem Weg schiefgelaufen sein und Christopher gelang es Janis König mit Schachs über das ganze Brett zu jagen und mit noch ein paar Sekunden auf der Uhr Janis Schachmatt zu setzen. Ein unerwartetes Comeback, was den Zwischenstand auf 2 zu 1 für das Goethe ändert. Advays Partie war die letzte des Matches. Die Stellung war kompliziert, doch nach ein paar Abtauschen und Ungenauigkeiten des Gegners gelang es Advay in ein Turmendspiel mit einem Mehrbauern abzuwickeln. Advay schaffte es die Nerven zu behalten und zeigte schöne Endspieltechnik und verwandelte das Endspiel zu einem ganzen Brettpunkt für das Goethe-Gymnasium und somit auch dem Mannschaftssieg mit 3 zu 1 gegen das Bismarck-Gymnasium. Spannender hätte es wohl kaum ablaufen können. Wenn jetzt die Spieler des Goethes keine unnötigen Fehler machen, dann sollten sie den Titel in der Tasche haben. Nach so vielen aufregenden Partien kam die 15 Minuten Pause, in der sich beim Bäcker gestärkt wurde, gelegen.

In der fünften Runde spielte das Goethe gegen das Kant-Gymnasium und man könnte meinen das sich die Spieler der führenden Mannschaft etwas zu sicher waren und an den hinteren zwei Bretter eine Partie verloren und eine Partie Remis gespielt haben. Zum Glück gewannen Kalle und Christopher ihre Partien, wodurch der Endstand des Mannschaftskampfes ein knappes 2,5 zu 1,5
wurde. Das Bismarck-Gymnasium versuchte nach ihrer Niederlage nochmal alles, was geht rauszuholen und gewannen jede Runde zwei Mannschaftspunkte dazu, doch das Goethe-Gymnasium ließ nichts anbrennen und gewann die letzten zwei Runden auch, wodurch es dem Bismarck-Gymnasium nicht gelang, den Zweitgesetzten aufzuholen.
Somit gelingt es dem Goethe-Gymnasium ungeschlagen Bezirksmeister in der WK III zu werden und sich für die Nordbadischen Schulschachmeisterschaften zu qualifizieren. Auf Platz zwei schafft es das Bismarck-Gymnasium, gefolgt von dem Eichendorff-Gymnasium. Rückblickend war es ein sehr gut organisiertes Turnier mit vielen spannenden Partien, Emotionen und einem Comeback, das man so nicht alle Tage sieht.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert