1. Frauenbundesliga

Die KSF-Frauen spielen seit der Saison 2015/16 wieder in der 1. Frauenbundesliga.

Bereits von 1996 bis 2013 war das Team dort ununterbrochen dabei.

Mannschaftsführer ist Stefan Haas.

Saison 2019/20

Nichts Zählbares in Hofheim erbeutet – letzte Hoffnung Berlin?

SV Hofheim – Karlsruher SF und Karlsruher SF – SC Bad Königshofen

1. Bundesliga Frauen · 15./16.2.2020 · Hofheim · Von Stefan Haas

Die Umfrage vor Saisonbeginn ließ für dieses Wochenende Bestbesetzung erwarten, doch dann kam eine Absage nach der anderen (berufliche oder familiäre Überlastung mag als valide Entschuldigung durchgehen, doch ist es nur schwer verständlich, wenn Open-Turniere vorgezogen werden, statt auch im eigenen Interesse für die kommende Saison einen Platz in der ersten Liga zu sichern – wo bleibt da der Teamgeist?) und so liefen wir am Samstag bereits auf der letzten Rille; Hofheim konnte dagegen praktisch in Bestbesetzung antreten. „Was ist das für eine komische Aufstellung?“, musste ich mir am Samstag anhören. Am Sonntag hieß es gar: „Wenn Ihr nur vier Spielerinnen zusammen bringt, habt Ihr es wirklich verdient abzusteigen!“ Uiuiui…

  SV Hofheim 2101 : Karlsruher SF 1976
1 Bluhm, Sonja Maria 2175 1 : 0 Schmidt, Jessica 2209
2 Mar, Karmen 2099 1 : 0 Kiefhaber, Veronika 2095
3 Rößler, Ulrike 2090 0 : 1 Dr. Rubina, Tatiana 2048
4 Kushka, Alena 2110 1 : 0 Scheynin, Julia 1943
5 Winterholler, Christina 2069 ½ : ½ Juszczak, Anna 1831
6 Rieseler, Caroline 2067 0 : 1 Grining, Maria 1728

Während die vorderen Bretter etwa ausgeglichen besetzt waren, galt die größte Sorge des Mannschaftsführers vor Allem den hinteren Brettern. Würden sie dem Druck standhalten? Doch dann kam früh eine gute Nachricht von Tatiana: Ihre Gegnerin hatte sich die Dame abklemmen lassen und besaß dafür bald nur noch eine Figur; Tatiana griff sofort auf dem Königsflügel an und setzte sich im Mattangriff durch. Dagegen sah es bei Maria zunächst düster aus, nachdem sie in der Eröffnung danebengegriffen hatte und mit dem Rücken zur Wand stand. Doch ihre Gegnerin verlor bald den Faden und überzog die Stellung, so dass Maria zunehmend in Vorteil kam und sich im Endspiel durchsetzte. Bei Anna sah es derweil ausgeglichen aus; was sollte jetzt noch schiefgehen? Doch leider kam es anders: zwar musste Julia nacheinander mehrere Bauern geben; doch als ihre Gegnerin gewaltsam gewinnen wollte, kam Julia sogar überraschend in Gewinnstellung, geriet am Ende aber doch in einen Mattangriff und verlor. Bei Jessica und Veronika standen schwierige Stellungen auf dem Brett, und die Gegnerinnen bauten bald Druck auf. Zunächst verteidigten sich unsere beiden korrekt und so war vorerst nichts Konkretes in Sicht; doch schließlich kam in beiden Partien eine Qualität abhanden, und die Stellungen waren letztendlich nicht mehr zu retten. Bei Anna war inzwischen nichts Entscheidendes geschehen; nachdem alles bis zum Turmendspiel mit je einem Bauern heruntergetauscht war, führte eine Stellungswiederholung das folgerichtige und für uns von Beginn an eigentlich erwünschte Ergebnis herbei. Guter Start und böses Ende – irgendwie erneut ein tragischer Tag für uns…

Unser Reispartner Baden-Baden unterlag im Parallelspiel Bad Königshofen 2½:3½.

Am Sonntag mussten wir das eigentlich wenig aussichtsreiche Spiel zu viert angehen; bei einem Auswärtsspiel kann man Bußgelder zur Not ja noch mit den Reisekosten gegenrechnen; gut für die Moral ist es jedoch sicher nicht…

  Karlsruher SF 1982 ½ : SC Bad Königshofen 2322
1 (unbesetzt) —– / + Girya, Olga 2478
2 Schmidt, Jessica 2209 ½ : ½ Schneider, Jana 2243
3 (unbesetzt) —– / + Melamed, Tatjana 2316
4 Dr. Rubina, Tatiana 2048 0 : 1 Belenkaya, Dina 2322
5 Scheynin, Julia 1943 0 : 1 Babiy, Olga 2304
6 Grining, Maria 1728 0 : 1 Gvanceladze, Anna 2270

Jessica, die den geringsten DWZ-Nachteil gegenüber ihrer Gegnerin aufwies, spielte einen ruhigen Aufbau, ließ nichts anbrennen und kam schon nach ca. zwei Stunden zur Punkteteilung, wodurch uns die Höchststrafe erspart blieb. An den hinteren drei Brettern waren angesichts der gewaltigen DWZ-Nachteile keine Wunder zu erwarten, und sie traten dann auch nicht ein: Zwar ließ Tatiana sich nicht einschüchtern und suchte den offenen Kampf, doch irgendwie wurde der dann zu offen und sie ging mit fliegenden Fahnen unter. Auch Maria spielte aus der Eröffnung heraus mutig nach vorne, doch irgendwann waren ihre Figuren zu weit vorne und sie musste ihre beiden Springer für einen Turm geben – das Endspiel war danach natürlich hoffnungslos und ging nach langer Gegenwehr auch verloren. Das schwerste Los hatte logischerweise Julia, da sie als Einzige mit Schwarz spielen musste. Dennoch konnte sie eine brauchbare Stellung mit Gegenspiel aufbauen und legte sogar die gegnerische Königsstellung frei. Allerdings blieb dabei ihr eigener König in der Mitte hängen, doch der Kampf blieb offen und sie konnte schließlich in ein ausgeglichenes Turmendspiel abwickeln, stellte dann aber für einen kurzen Moment ihren Turm zu passiv, worauf die Gegnerin sofort die Kontrolle an sich riss und sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen ließ. Mit drei Punkten sind wir immer noch Zehnter. Können wir uns in Berlin retten?

 

Glanz und Elend in Baden-Baden

Karlsruher SF – SK Lehrte und SV Medizin Erfurt – Karlsruher SF

1. Bundesliga Frauen · 1./2.2.2020 · Baden-Baden · Von Stefan Haas

Das Wochenende in Baden-Baden begann mit dem kniffligeren der beiden Spiele – gegen den SK Lehrte, gegen die wir uns im Vorjahr schwer getan hatten und nur mit Glück der 0:6-Klatsche entkommen waren (zwei Zeitsiege ergaben am Ende ein 2:4). Jedoch konnten wir diesmal auf eine fast optimale Besetzung zurückgreifen.

  Karlsruher SF 2196 5 : 1 SK Lehrte 2114
1 Mütsch, Annmarie 2246 1 : 0 Sieber, Fiona 2213
2 Georgescu, Lena 2272 ½ : ½ Newrkla, Katharina 2205
3 Mader, Manuela 2210 ½ : ½ Hapala, Elisabeth 2170
4 Schmidt, Jessica 2209 1 : 0 Düssler, Stefanie 2112
5 Kiefhaber, Veronika 2095 1 : 0 Manusina, Nicole 2036
6 Moingt, Anne 2142 1 : 0 Böhm, Jana 1949

Die Partien begannen recht vorsichtig und es war schnell abzusehen, dass es ein sehr umkämpftes Spiel werden sollte. Glücklicherweise hatten wir in den meisten Partien (außer bei Manuela) immer einen klaren Zeitvorteil auf der Uhr kann und standen in keiner Partie jemals deutlich schlechter. Allerdings wollten die Entscheidungen auf sich warten lassen. Unser Reisepartner Baden-Baden führte im Parallelkampf schon 5:0, ehe bei uns die erste Partie endete: Anne hatte im Mittelspiel durch ein Springeropfer den Bauern h7 erobert, baute zunehmend Druck auf dem Königsflügel auf und konnte, als ihre Gegnerin sich in der Zeitnotphase an einem Zentralbauern vergriff, die Dame erobern. Alle übrigen Partien gingen über die Zeitkontrolle. Währenddessen hatte auch Jessica eine schöne Druckstellung aufgebaut; sie brach schließlich gewaltsam in die gegnerische Königsstellung ein, wobei sie Dame und Bauer gegen Turm und Läufer eroberte und kurz nach der Zeitkontrolle den gegnerischen Widerstand brach. Beim Abholen des Punktes kam ihr jedoch Veronika um wenige Minuten zuvor: Lange Zeit hatte es bei ihr völlig ausgeglichen ausgesehen, ein vorübergehender optischer Vorteil hatte sich schnell wieder verflüchtigt. Im Läuferendspiel brachte es ihre Gegnerin dann jedoch fertig, zielstrebig alle Bauern auf die falsche Farbe zu stellen, wonach Veronika mit der klassischen Zugzwangmethode das gegnerische Fußvolk dezimierte. Nun stand es also 3:0 und die übrigen Partien sahen ausgeglichen aus. Die daheim gebliebenen Fans begannen bereits den Sieg zu feiern, doch vor Ort blieb es spannend. Annmarie hatte im frühen Mittelspiel ihre Stellung am Königsflügel geöffnet und fand in der Zeitnotphase eine langzügige Kombination, die auch den gegnerischen König freilegte. Nun sah es schon nach Dauerschah aus, was ihre Gegnerin aber nicht zulassen wollte. Sie stürmte mit dem König nach vorn und es drohte für Annmarie brenzlig zu werden; ein taktischer Fehler ließ jedoch die Partie noch kippen. Manuela hatte derweil eine schwierige Stellung zu verteidigen; vorübergehend hatte sie sogar einen Bauern weniger, konnte aber alles unter Kontrolle halten und eroberte in der Zeitnotphase drei Bauern in Folge, wonach sie schon wie die sichere Siegerin aussah. Den entscheidenden (halben) Punkt für den Mannschaftssieg holte jedoch Lena. Bei ihr war die Partie stets ausgeglichen verlaufen, der Vorteil des Läufers über den Springer war eher symbolisch und ihre Gegnerin konnte nach knapp fünf Stunden mit sauberem Spiel die totale Abholzung herbeiführen. Inzwischen hatte Annmarie den gegnerischen König in der offenen Stellung ins Kreuzfeuer genommen und ihre Gegnerin musste nach genau fünf Stunden vor größeren Materialverlusten kapitulieren. Am längsten spielte Manuela. Leider gelang es ihr am Ende nicht, das Turmendspiel mit zwei Mehrbauern zum verdienten Sieg zu führen; mit dem erhofften, aber in dieser Höhe unerwarteten Sieg konnten wir dennoch sehr zufrieden sein und ließen den Abend fröhlich in einer Pizzeria ausklingen.

Unser Team am Sonntag des dritten Frauenbundesliga-Wochenendes in Baden-Baden, v.l.n.r. Anne, Annmarie, Lena, Manuela, Veronika, Jessica (Foto: ©Stefan Haas)

Wir glaubten, schon den entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt getan zu haben, zumal am Sonntag der vermeintlich leichtere Gegner auf uns wartete. Allerdings hatten wir in den letzten beiden Spielen mit Erfurt nicht gut ausgesehen – 2½:3½ und 3:3. Wir gingen optimistisch in dieses Spiel, doch leider belehrte uns der Tag eines Besseren.

  SV Medizin Erfurt 1963 3½ : 2½ Karlsruher SF 2196
1 Ratay, Meike 1980 1 : 0 Mütsch, Annmarie 2246
2 Nguyen, Ha Thanh 1975 ½ : ½ Georgescu, Lena 2272
3 Reuter, Elisa 1882 1 : 0 Mader, Manuela 2210
4 Müller-Ludwig, Kristin 1995 ½ : ½ Schmidt, Jessica 2209
5 Troyke, Doreen 1972 0 : 1 Kiefhaber, Veronika 2095
6 Umpfenbach, Carolin 1976 ½ : ½ Moingt, Anne 2142

Jessica kam nach 2½ Stunden zum Remis; sie hatte mit Schwarz nach der Eröffnung bequemen Ausgleich, es wurde aber viel abgetauscht und so war nicht mehr drin. Das Gleiche traf auch auf Lenas Partie zu. Ihre Gegnerin mauerte und ließ nichts zu; die Stellung blieb im Gleichgewicht und Remis war das logische Ergebnis. Manuela griff am Königsflügel an und opferte eine Figur für drei Bauern, um den gegnerischen König freizulegen. Nach beiderseitigen Fehlern wurde dieser gewagte Angriff abgeschlagen; dabei gingen auch noch zwei Bauern verloren. Dafür war bei Veronika das Zuschauen wieder eine wahre Freude: Zwar war in der Eröffnung nicht viel los, doch als ihre Gegnerin mit einem Mattüberfall drohte, wurde es spannend. Für einen Zug stand Veronika sogar auf Verlust, aber nach einigen Fehlern ihrer Gegnerin durfte sie selbst zum Angriff übergehen und setzte sich nach zwei Figurenopfern elegant durch. Leider war damit schon Schluss mit den guten Nachrichten: Annmarie versuchte es im Mittelspiel mit der Brechstange und verrannte sich mit ihren beiden Springern, die dann zusammen mit einem Bauern im Tausch für nur einen Turm in die Kiste wanderten – das war‘s. Anne kam mit einer schwierigen Stellung aus der Eröffnung, stand am Rande einer Niederlage, verteidigte sich aber zäh und konnte schließlich das Endspiel retten. So mussten wir eine überraschende und bittere Schlappe hinnehmen, die unseren Kampf um den Klassenerhalt deutlich schwieriger machen wird.

 

Immerhin nicht mit leeren Taschen aus Leipzig zurück

SV Weißblau Allianz Leipzig Karlsruher SF

                                    und

Karlsruher SF – Rodewischer Schachmiezen

1. Bundesliga Frauen · 14./15.12.2019 · 3. + 4. Runde, Karlsruhe · Von Stefan Haas

Am Samstag erwartete und der Gastgeber, der Tabellenletzte SV Weißblau Allianz Leipzig. Das Match war kurzfristig in ein Ersatzspiellokal verlegt worden, das sich als bessere Lagerhalle entpuppte – kalt, schlecht beleuchtet und mit nur einer Toilette für rund 40 Leute. In Zeitnot durfte man da keine Probleme bekommen. Auch der Schiedsrichter bestätigte uns, dass die Spielbedingungen alles andere als ideal waren.

  SV Weißblau Allianz Leipzig 2156 3 : 3 Karlsruher SF 2022
1 IM Karina Szczepkowska 2403 1/2 : 1/2 WIM Annmarie Mütsch 2246
2 IM Claudia Kulon 2352 0 : 1 WGM Jessica Schmidt 2209
3 WGM Barbara Jaracz 2238 1 : 0 Dr. Tatiana Rubina 2048
4 WFM Petra Schulz 2014 0 : 1 Julia Scheynin 1965
5 WFM Heike Germann 2042 1/2 : 1/2 Jana Basovskij 1836
6 WFM Dr. Anita Just 1884 1 : 0 Jasmin Mangei 1827

Leipzig war erwartungsgemäß stärker aufgestellt als wir, und so war es schon ein echtes Drama, als Jasmin – die mit den geringsten ELO-Nachteil von allen Brettern aufwies bereits in der Eröffnung, nach kaum einer halben Stunde, eine Figur einstellte. Sie kämpfte zwar tapfer weiter, musste nach drei Stunden aber trotzdem aufgeben.

Annmarie hatte schon nach knapp 2 Stunden ein Remis geholt, sie hatte einen Bauern für die Initiative geopfert, aber dann kam es zu einer Zugwiederholung. Jana konnte nach 3½ Stunden ebenfalls ein Remis holen, hier hatten wir uns zwar zwischendurch etwas Sorgen gemacht, doch am Ende war die Stellung bis auf ein Turmpaar sowie ungleichfarbige Läufer abgeholzt worden und eine Zugwiederholung unausweichlich.

Tatiana hatte inzwischen am Königsflügel angegriffen, ihre Bauern vormarschieren lassen und dabei ihren König entblößt, dabei war sie in einen Gegenangriff gelaufen und konnte das Matt nicht mehr vermeiden. Dieser zweite Unfall machte unsere zwischenzeitlichen Gewinnhoffnungen zunichte, aber wir hatten auch etwas Glück.      Jessica und Julia konnten nach schwierigen Eröffnungen das Blatt wenden, wobei Jessica mehrere Bauern eroberte und mit ihrem König die Freibauern vorantrieb, während Julia sogar eine Figur abgreifen konnte. Allerdings hatten beide vorher schon mal ein Remis angeboten, doch beide Gegnerinnen hatten dies mit unberechtigt übertriebenen Selbstbewusstsein (man könnte auch unfreundlicher formulieren: hochnäsig) abgelehnt und bekamen schließlich die Quittung serviert.

Mit diesem 3:3 konnten wir angesichts der großen Rating-Nachteile noch ziemlich zufrieden sein, blieben damit vor Leipzig und konnten vorübergehend sogar an Erfurt vorbeiziehen. Im Parallelspiel kam unser Reisepartner OSG Baden-Baden gegen nur fünf Rodewischer Schachmiezen nicht über ein 3:3 hinaus.

 

Am Sonntag ging es dann gegen das starke Team der Rodewischer Schachmiezen, bei denen wir zuletzt im Februar dieses Jahres gespielt und 1½:4½ verloren hatten. Doch diesmal fehlten uns Lena und Manuela, so dass es sehr schwierig werden sollte.

  Karlsruher SF 2022 0 : 6 Rodewischer Schachmiezen 2230
1 WIM Annmarie Mütsch 2246 0 : 1 IM Anastasia Bodnaruk 2413
2 WGM Jessica Schmidt 2209 0 : 1 WGM Melanie Lubbe 2279
3 Dr. Tatiana Rubina 2048 0 : 1 WGM Julia Movsesjan 2315
4 Julia Scheynin 1965 0 : 1 WIM Martina Korenova 2153
5 Jana Basovskij 1836 0 : 1 WIM Magdalena Miturova 2172
6 Jasmin Mangei 1827 0 : 1 WFM Hana Kubikova 2046

Die einzelnen Partien verliefen anfangs zäh, und der Berichterstatter musste mehrfach die Begleiter des gegnerischen Teams, welche sich immer wieder störend an die Tische zwischen unsere Spielerinnen schoben, vertreiben – denke man darüber, was man wolle…

Nach gut drei Stunden war noch alles ziemlich offen, doch dann begannen sich die Spielstärkeunterschiede bemerkbar zu machen und im 10-Minuten-Rhythmus klappte eine Stellung nach der anderen zusammen. Als erstes traf es Tatiana: Sie hatte im Sizilianer auf c3 ein typisches und wohl auch notwendiges Qualitätsopfer gebracht, konnte damit das Blatt aber nicht wenden, da ihr eigener König zu luftig stand. Als nächstes schlug es bei Jana ein, danach auch bei Jasmin, die mit ihrem Freibauern auf d6 eigentlich immer mindestens gleiches Spiel und damit ein Remis mehr als verdient hatte; tragischerweise ließ sie in der Zeitnotphase ihren Läufer mit Schachgebot stehen und lief in einen tödlichen Gegenangriff. Es war nicht ihr Wochenende…

Dann war Annmarie fällig; sie hatte schon im Mittelspiel eine Qualität für einen gefährlichen Freibauern geben müssen und erlag schließlich dem gegnerischen Angriff. So war der Kampf bereits um 12.40 Uhr entschieden. Doch noch immer wollten wir nicht glauben, dass wir hier völlig leer ausgehen sollten. Julia und Jessica kämpften zwar großartig, wurden dann allerdings doch langsam, aber sicher überspielt.

Julia hatte einen Bauern im Zentrum gegeben, dafür einen Freibauern bis nach h7 vorgeschoben und es war nicht zu erkennen, wie ihre Gegnerin nun weiterkommen wollte. Doch es gelang ihr, mit dem Tausch zweier Türme gegen die Dame und den Freibauern das Spiel zu verkomplizieren und schließlich doch noch zu gewinnen.

Am längsten spielte Jessica, jedoch stand sie den überwiegenden Teil der Partie in der Defensive, da ihre Gegnerin die einzige offene Linie kontrollierte. So blieb nichts weiter übrig, als alles abzutauschen und zu hoffen. Die Gegnerin entschied sich dafür, ihr beim Damentausch einen gedeckten Freibauern auf d5 zu überlassen, den sie jedoch mit dem König kontrollieren konnte, während sie nun selbst ein bewegliches Bauernpaar nach vorne schieben konnte, was sich in Verbindung mit dem aktiveren Turm schließlich durchsetzte.

Der Sieg für Rodewisch war zwar verdient, fiel aber doch eine Nummer zu hoch aus. Im Parallelkampf machte Baden-Baden mit den Leipzigerinnen kurzen Prozess und gewann 5½:½. Leider gewann gleichzeitig Erfurt überraschend gegen Hofheim und zog wieder an uns vorbei, so dass wir auf dem vorletzten Tabellenplatz überwintern.

 

Gut gekämpft, aber keinen Mannschaftspunkt geholt

Karlsruher SF – SK Schwäbisch Hall und SF Deizisau – Karlsruher SF

1. Bundesliga Frauen · 14./15.9.2019 · 1. + 2. Runde, Karlsruhe · Von Stefan Haas

Die erste Doppelrunde der neuen Saison brachte uns die gleichen Paarungen wie die letzten beiden Runden von Berlin Anfang März diesen Jahres; und wir konnten bei Weitem nicht so gut besetzt antreten wie damals. Wie sollte das diesmal enden?

Nicht ganz unerwartet trat Schwäbisch Hall wieder mit einer reinen 2400er-Truppe an.

  Karlsruher SF 2127 : SK Schwäbisch Hall 2438
1 WIM Annmarie Mütsch 2250 ½ : ½ IM Lela Javakhishvili 2458
2 WFM Lena Georgescu 2229 1 : 0 GM Bela Khotenashvili 2453
3 WIM Manuela Mader 2190 0 : 1 IM Ekaterina Atalik 2456
4 WIM Anne Moingt 2068 0 : 1 IM Irina Bulmaga 2440
5 Dr. Tatiana Rubina 2050 0 : 1 IM Deimante Cornette 2412
6 Anna Juszczak 1976 0 : 1 IM Lilit Mkrtchian 2408

Tatianas Gegnerin konnte mit einem raffinierten Tempoverlust (!) einen gefährlichen Angriff einleiten; ein zu lascher Zug bot Tatiana eine Gelegenheit zu entkommen (welche leider nicht genutzt wurde), so war die Partie schon nach 18 Zügen vorbei. Anna überstand zwar die Eröffnung unbeschadet, stand aber dann zu passiv und ließ sich den Königsflügel aufreißen. In dieser unerfreulichen Stellung führte ein Taktikfehler zum Zusammenbruch. Die übrigen vier Partien gingen in die Zeitnotphase. Anne hatte zu diesem Zeitpunkt ein Doppelturmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern erreicht und wir machten uns erstmals Hoffnung, heute ein 0:6 vermeiden zu können. Allerdings entfernte sich ihr König unvorsichtigerweise vom gefährdeten Minoritätsflügel; nach dem Tausch aller Türme fielen zwei Bauern und es war schnell vorbei. Manuela hatte nach frühem Damentausch ihre Stellung konsolidiert und zu Beginn der Zeitnotphase Ausgleich erreicht, überließ dann aber der Gegnerin einen gedeckten Freibauern, worauf diese sich zuerst ein Bauernopfer, dann auch noch ein Qualitätsopfer erlauben konnte, um ein Freibauernpaar durchzudrücken. Annmarie stand nach der Eröffnung zunächst etwas passiv und gedrückt, doch in der Zeitnot gelang ihr eine raffinierte Stellungsöffnung, wonach sie im Endspiel nerven-stark alles zusammenhalten und einen halben Punkt sicherstellen konnte. Bei Lena entwickelte sich die Partie zunächst sehr langsam, und es sah immer recht ausgeglichen aus. Interessant wurde es, als sie sich zu Beginn der Zeitnotphase einen Doppelbauern auf der e-Linie zufügen ließ. Objektiv vielleicht nicht ganz astrein, doch sie lockte dadurch die gegnerische Dame auf ein ungünstiges Feld und konnte im 40. Zug einen Springer erobern. Diesen Vorteil realisierte sie dann souverän. Mit diesem Ergebnis können wir zufrieden sein, jeder Brettpunkt kann wichtig sein…

Im Parallelkampf gegen die „kleine Schwester“ aus Deizisau konnte Baden-Baden die Blamage von Berlin wiedergutmachen und kam zu einem ungefährdeten 5½:½-Sieg.

Nachdem wir am Samstagabend die Brettpunkte des ersten Kampfes gefeiert hatten (Neu-Teammitglied Maria Grining war mit ihrem gleichzeitig errungenen Remis gegen Stefan Joeres aus dem Jugendbundesligakampf auch dabei), erwartete uns am Sonntag ein starkes Team aus Deizisau, das im Schnitt um 100 Punkte pro Brett überlegen war.

  SF Deizisau 2249 4 : 2 Karlsruher SF 2156
1 WGM Marta Michna 2362 1 : 0 WIM Annmarie Mütsch 2250
2 IM Zoya Schleining 2340 ½ : ½ WFM Lena Georgescu 2229
3 WIM Inna Agrest 2320 0 : 1 WIM Manuela Mader 2190
4 WGM Hanna Marie Klek 2246 1 : 0 WIM Veronika Kiefhaber 2149
5 WIM Mara Jelica 2150 ½ : ½ WIM Anne Moingt 2068
6 WIM Ingrid Lauterbach 2073 1 : 0 Dr. Tatiana Rubina 2050

 Nach gut zwei Stunden kam Lena nach ausgeglichenem Partieverlauf zum Remis, keine Seite konnte hier so richtig etwas unternehmen. Die übrigen Partien verliefen zäh, es wurde an allen Brettern hart gerungen – auf unserer Seite zumeist defensiv. Als erste musste Veronika „dran glauben“; dabei sah der Kampf lange ausgeglichen aus und nach dem Damentausch war eigentlich nichts los, doch plötzlich entwickelte die Gegnerin eine gefährliche Initiative und drang mit ihrem Angriff durch. Tatiana hielt lange gut mit und konnte in der Zeitnotphase sogar einen Bauern gewinnen, doch ihre Königsstellung erwies sich als zu luftig und plötzlich waren die kombinierten Drohungen auf Matt oder Materialgewinn nicht mehr abzuwehren. Zwischenzeitlich begannen wir etwas Hoffnung zu schöpfen, denn Manuela hatte mal wieder einen komplizierten Kampf angezettelt und konnte zwei verbundene auf die Reise schicken. Ihre Gegnerin versuchte ein verzweifeltes Figurenopfer, konnte den Kampf dadurch zwar verlängern, aber nicht mehr drehen. Ungünstiger lief es bei Annmarie. Im Mittelspiel hatte sie optische Vorteile, doch im Endspiel erwies sich ihr Läufer als „lahme Ente“ und konnte nicht alle Schwächen ausreichend decken, so dass ein Bauer und damit bald auch die Partie verloren ging. Anne hatte wie am Vortag eine spannende Partie mit ungleichfarbigen Läufern (dies-mal mit Damen) und hatte sich gegen zahlreiche Angriffe zu wehren, was eine präzise Verteidigung erforderte. Zwar musste sie einen Bauern geben, doch mit sauberer Technik brachte sie den erhofften halben Zähler nach Hause, eine sehr gute Leistung! Damit hatten wir an diesem ersten Frauenbundesliga-Wochenende der neuen Saison zwar einen halben Brettpunkt mehr geholt als gegen die gleichen Gegner in Berlin, doch bei ungünstigerer Verteilung leider ohne Mannschaftspunkt. Hinzu kommt, dass den als Abstiegskandidat eingestuften Erfurterinnen ein 3:3 gegen Hamburg gelang. Die Saison scheint also alles andere als einfach zu werden.

Im Parallelkampf setzte sich Baden-Baden gegen Schwäbisch Hall nach spannendem Verlauf hauchdünn mit 3½:2½ durch und blieb als einziges Team der Liga verlustpunktfrei an der Tabellenspitze.

Unser Team am Sonntag des ersten Frauenbundesliga-Wochenendes in Karlsruhe, v.l.n.r. Anne, Lena, Annmarie, Veronika, Manuela, Tatiana (Foto: ©Stefan Haas)

 

 


Spielberichte früherer Saisons

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