DVM 2018: Platz 5 für die U20

Starke Ergebnisse an Brett 1 und 5

Deutsche Vereinsmeisterschaft • Osnabrück • 26.12. – 30.12.2018 • von Stefan Joeres

Am zweiten Weihnachtsfeiertag machte sich die U20 Mannschaft (bestehend aus Simon Fidlin, Maria Grining, Stefan Joeres, Lukas Koll, Leon Wegmer und Alex Wiesner) auf den Weg zu den deutschen Vereinsmeisterschaften, die wie jedes Jahr zwischen Weihnachten und Silvester in Osnabrück stattfanden. Die deutsche Bahn war ausnahmsweise gnädig und so kamen wir planmäßig in Osnabrück an und konnten unsere (sehr kleinen) Zimmer beziehen.

Am nächsten Morgen trafen wir in der ersten Runde auf den Letztgesetzten MTV Saalfeld (Thüringen). Eigentlich ein machbares Los, allerdings verhieß der Verlauf der Partien nichts Gutes: Der Berichterstatter warf die Kompensation für einen geopferten Bauern früh weg und kämpfte fortan ums Überleben. Leons Stellung verschlechterte sich immer weiter und Maria geriet aus der Eröffnung heraus unter Druck und verlor Material. Doch nach drei Stunden Spielzeit wendete sich das Blatt und zunächst gewann Simon, nachdem er eine saubere Partie im Maroczy gespielt hatte. Kurz darauf vergaß mein Gegner in mittlerweile ausgeglichener Stellung die Zeit und so kam ich zu einem unverhofften, vollen Punkt. Leons Gegnerin willigte mit dreißig Sekunden auf der Uhr in ein Remis ein, obwohl die Stellung gewonnen war und Marias Gegnerin stellte einen Turm ein, sodass die Stellung materiell wieder ausgeglichen war. Bald darauf siegte Alex, nachdem er seiner Gegnerin Material abgenommen hatte und Lukas spielte Remis, nachdem er zuvor noch mannschaftsdienlich weitergespielt hatte. Zu guter Letzt gewann Maria, da ihre Gegnerin sich von ihrem Einsteller nicht erholte und weitere Fehler beging. Insgesamt fiel der Sieg mit 5 – 1 zwar deutlich zu hoch aus, war aber ein schöner Einstieg ins Turnier.

In der Nachmittagsrunde wurden uns die SF Brackel zugelost, die uns gegenüber deutlich favorisiert waren. Und so gerieten Leon und ich schnell unter Druck, während Alex hingegen eine Qualität gewann und Simon ein frühes Remisangebot seines Gegners annahm. Mein Gegner ließ einen klaren Gewinn aus, stand aber mit einem Mehrbauern dennoch deutlich besser, doch bald darauf übersah er einen Doppelangriff, was mir einen Turm und einen ganzen Punkt bescherte. Lukas und Maria hatten ausgeglichene Stellungen. Dann allerdings begann der Kampf zu kippen: Alex verlor seine Mehrqualität und auch das anschließende Endspiel, Maria stellte einen Bauern ein und Leon musste aufgeben. Lukas konnte seine Stellung halten, während Maria ihr Turmendspiel sehr unglücklich verlor. So mussten wir eine unverdiente 2 – 4 Niederlage hinnehmen. Am Abend fand das Blitzturnier statt, allerdings nur mit 12(!) Teilnehmern. Das Anmeldeverfahren – es wurde eine eigene Website für das Turnier und die Anmeldung zum Blitzen eingerichtet – dürfte für diese schockierend niedrige Teilnehmerzahl verantwortlich sein. Es gewann FM Rustam Bunyatov aus Porz. Ich wurde mit 5/7 Dritter, Simon (3½/7) und Leon (2/7) landeten auf Platz 7 und 10.

Am Freitag kam es zum Landesduell mit Schwäbisch Gmünd. Mein Gegner verteilte schon in der Eröffnung Geburtstagsgeschenke, als er überraschend 2. … Sf6 im Sizilianer spielte, aber frühzeitig einen Bauern „opferte“ und es mir erlaubte, seinen König in der Mitte festzuhalten, sodass er bereits nach 15 Zügen aufgeben musste. Leon und Lukas erreichten gute Turmendspiele, Alex hatte ein schwieriges Endspiel mit drei Bauern gegen einen Springer, Simon ein ausgeglichenes Endspiel und Maria verlor früh Material und gab nach drei Stunden auf. Doch bald darauf verwertete Lukas sein Endspiel und Alex konnte remis halten, sodass wir nur noch einen weiteren Punkt zum Mannschaftssieg brauchten. Den holte dann Leon und Simon spielte remis, sodass wir mit 4 – 2 gewannen.

Nachmittags hatten wir erneut einen stärkeren Gegner im Match gegen den SK Doppelbauer Kiel. Alex verlor früh, nachdem er eine Qualität eingestellt hatte und Maria verpasste einen Figurengewinn. Nach zwei Stunden stand Simon auf Verlust, Lukas und ich mussten ins Remis einwilligen, da keinerlei Gewinnchancen bestanden. Leons spielte die ersten 14 Züge lang exakt dieselbe Variante wie Simon, bevor er abwich und eine hervorragende Stellung erreichte. Maria hatte nach dem verpassten Gewinn weiterhin eine gute Stellung, die jedoch sehr komplex war und ihr 300 DWZ höher gewertete Gegner besser behandelte, sodass sie verlor. Doch Simon konnte, nachdem er seine Dame verloren hatte, das Blatt wenden und zunächst einen weiteren Turm gewinnen und bald darauf auch die Partie. Leon ließ einen Gewinn aus und konnte seinen Mehrbauern nicht mehr verwerten, sodass der Kieler das Remis sichern konnte und wir eine überraschend knappe 2½ – 3½ Niederlage  hinnehmen mussten.

Runde 5 bescherte uns den Märkischen Springer Halver-Schalksmühle als Gegner. Nach DWZ waren wir an fast allen Brettern favorisiert. Dennoch gerieten wir früh unter Druck: Maria, Simon und Alex erreichten zwar angenehme Stellungen, die aber nicht unbedingt gewonnen sein mussten. Leon stand etwas passiv, mein Gegner hatte Raumvorteil und Lukas stand auf Verlust. Doch plötzlich kippten die Partien: Alex gab remis, Simon und Maria überspielten ihre Gegner und erreichten Gewinnstellungen, die sie später auch verwerteten. In der Zeitnotphase stellten sowohl Leons als auch Lukas‘ Gegner die Partien ein und mein Gegner opferte eine Figur im Endspiel, fand kein Dauerschach und musste ebenfalls aufgeben, sodass wir erneut sehr hoch mit 5½ – ½ gewannen.

In der vorletzten Runde wurde uns Bavaria Regensburg zugelost. Leon spielte den Igelaufbau, übersah aber eine einfache Taktik und gab früh auf. Ich holte nach einer katastrophal gelaufenen Eröffnung, in der mein Gegner einen Bauerndurchbruch fand, der meine Stellung zunächst in Trümmer legte, noch ein Remis, nachdem mein Gegner Gewinnfortsetzungen aus- und Materialtausch zuließ. Bei Simon und Maria tat sich nicht viel, sodass beide nicht über ein Remis hinauskamen. Lukas spielte eine taktisch hochkomplexe Partie, mit wechselnden Bewertungen durch die Engine, die nach dem 40. Zug damit endete, dass sein Gegner eine Mehrfigur behielt und Lukas so seine erste Niederlage im Turnier kassierte. Zur Krönung einer unglücklich verlaufenden Runde verlor auch noch Alex sein ursprünglich remises Endspiel, sodass wir insgesamt 1½ – 4½  unterlagen.

Die letzte Runde brachte uns das nächste Landesduell, dieses Mal gegen Heilbronn-Biberach. Mein Gegner überraschte mich zwar mit dem Sveshnikov-Sizilianer, verlor aber ein Tempo und ging nach 15 Zügen unter. Ein ähnliches Schicksal ereilte Simons Gegner, der nicht viel später aufgab und wir so mit 2 – 0 in Führung gingen. Als nächstes waren Maria und Lukas fertig. Marias Gegner übersah eine Taktik, was uns den nächsten Sieg bescherte. Lukas hatte zwar zunächst einen Isolani, doch bald ergab sich eine Stellung mit ungleichfarbigen Läufern, die remis war. Einen weiteren halben Punkt steuerte Leon bei, der nach einigen Abtäuschen ebenfalls remis spielte. Als Letzter spielte noch Alex, der aber früh einen Bauern gewann, „Tendenz steigend“, wie Lukas Pfatteicher es ausdrückte. Bald waren es dann auch zwei, sodass er ein einfach gewonnenes Endspiel mit Läufer gegen Springer erreichte und das Ergebnis – diesmal auch in der Höhe völlig verdient – auf 5 – 1 erhöhte.                                                                    Da Porz in der letzten Runde Regensburg bezwang, landeten wir mit 8 – 6 Mannschaftspunkten  auf dem 5. Tabellenplatz (unser Setzlistenplatz war 8 mit im Schnitt 100 DWZ Rückstand pro Brett auf den siebtgesetzten Lübecker SV). Meister wurden die Minimalisten der SG Porz mit 13 – 1 Mannschaftspunkten und 27 Brettpunkten vor der SG Aufbau Elbe Magdeburg, die zwar mit einem 3 – 3 gegen Plauen ein Unentschieden mehr abgab, aber 30½ Brettpunkte holte. Das Podium wurde komplettiert von den Kielern mit 10 – 4 Mannschaftspunkten. Die einzige weitere Mannschaft, die vor uns landete, war Brackel aufgrund der besseren Zweitwertung. Dieses Ergebnis ist einer hervorragenden Mannschaftsleistung zu verdanken: Von 42 Partien verloren wir gerade einmal 9 (Nur Porz uns Magdeburg hatten weniger Niederlagen, Heilbronn verlor sogar 23 Partien),  kein Spieler blieb deutlich unter der Gewinnerwartung und ich holte mit 6/7 an Brett 1 sogar den Brettpreis. Simon mit 5½/7 blieb dieser verwehrt, da der Magdeburger an Brett 5 7/7 holte. Ebenfalls zu danken haben wir Lukas Pfatteicher: Vor jeder Runde bereitete er uns auf die kommenden Gegner vor und half uns nach den Partien bei der Analyse mit seiner schachlichen Expertise. Insgesamt können wir mit dieser DVM sehr zufrieden sein und wenn man bedenkt, dass wir mit einer U18 Mannschaft angetreten sind, ist für die kommenden Jahre noch Luft nach oben.

Die Organisation dieses Jahr war sehr gut, nur die Live-Übertragung an den DGT-Brettern ließ zu wünschen übrig, einige Bretter hörten nach wenigen Zügen auf, weitere Züge zu übertragen. Die Spielbedingungen selbst waren sehr gut, man hatte an den Tischen genug Platz, für Ruhe im Spielsaal und Getränke war auch gesorgt. Die Siegerehrung wurde nach einigen überlangen und nichtssagenden Reden von Würdenträgern so schnell durchgezogen, dass wir rechtzeitig den Zug zurück nach Karlsruhe erreichten.

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